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Fränkisches Bierfest Nürnberg

Gastbrauereien

Dieses Jahr zu Gast auf dem fränkischen Bierfest: Braukunst aus Belgien!

Vier kleine aber sehr feine Brauereien aus Belgien haben sich auf den weiten Weg zum Fränkischen Bierfest nach Nürnberg gemacht, um uns hier in Franken belgische Braukunst erleben und schmecken zu lassen. Besucht unsere weitgereisten Gäste im Burggraben an Stand "G" – Flandern@Raupachs und lernt die erfrischenden Ergebnisse echter handwerklicher und kreativer Braukunst kennen.
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Adept

Der Profi, der wieder klein braut

Adept in Winksele ist die Brauerei eines Mannes, der die große Bierwelt kennt und sich bewusst für die kleine entschieden hat. Dimitri Staelens arbeitete mit Professor Delvaux an der KU Leuven, sammelte mehr als 25 Jahre Brauerfahrung bei Interbrew/InBev und Duvel-Moortgat und leitete lange die Qualitätssicherung in internationalen Brauereien. In De Smederij, einem offenen Dorfhaus mit Restaurant, fand sein Wissen einen perfekten Ort. Adept begann als lokales Projekt von „Adepts of St. Joseph“, später wurde daraus eine echte Dorfbühne für präzise, aber undogmatische Biere. Neben den Hausbieren WinXel, WinXXel, WinXXXel und WinXXXXel entstehen saisonale und experimentelle Sude: Adept Blond, HOPe, Maibock Your Bock, fassgereifte Krieks oder Middernachtzon, ein kräftiges Raw Dark Ale. Dimitri wirft Regeln nicht leichtfertig über Bord – er kennt sie zu gut, um nicht lustvoll mit ihnen zu spielen.

Hof ten Dormaal

Vom Feld ins Glas

Wer Hof ten Dormaal besucht, fährt hinaus in die Felder von Tildonk – und landet doch mitten in einer der spannendsten Biergeschichten rund um Leuven. Die Familie Janssens, Vater André und die Söhne Jef und Dries, hat aus der Kraneveldhoeve eine Hofbrauerei gemacht, in der Landwirtschaft und Brauen fast untrennbar sind: Gerste, Weizen, Hafer, Dinkel und Hopfen wachsen rund um den Hof, werden selbst vermälzt, gebraut und abgefüllt. Das verleiht den Bieren einen seltenen Terroir-Charakter. 2015 stoppte ein Brand die Brauerei jäh; der Wiederaufbau machte aus dem Rückschlag ein neues Kapitel. Heute reicht die Auswahl von Saison und Leuvense Witte über Tripel und belgische IPA bis zum berühmten WhiteGold, einem Tripel mit Chicorée-Wurzeln, sowie den wilden, fassgereiften Sauerbieren der Reihe Zure van Tildonk. Hof ten Dormaal schmeckt nach Bauernhof, Mut und belgischem Eigensinn.

Man & Brouw

Das Labor im Gartencontainer

Man & Brouw liegt so versteckt, dass man es fast suchen muss: hinter dem Haus von Sibren de Bast in Wilsele, in einem umgebauten Seecontainer im Garten. Dort brauen Sibren und sein Freund Tom Chargen von rund 300 Litern – klein genug, um verrückte Ideen auszuprobieren, groß genug, um Leuven neugierig zu machen. Entstanden ist das Projekt aus dem Homebrewing und der Corona-Zeit: Bier, sagt Sibren, bringt Menschen zusammen. Die beiden Ingenieure denken wie Forscher und brauen wie Geschichtenerzähler. Jedes Bier erscheint nur einmal und bekommt einen alliterierenden Frauennamen: Coole Camille, eine Grisette mit Kamille; Frisse Frieda mit frischem Hopfen; Lustige Leia mit Zitronenschale und Grapefruitminze aus dem Garten; Pittige Patricia mit schwarzem und tasmanischem Pfeffer. Man & Brouw ist kein Betrieb für Standardbiere, sondern eine kleine Bühne für Aromen, Handarbeit und Humor.

Brouwerij De Coureur

Bier mit Trittfrequenz

In Kessel-Lo, einem Leuvener Stadtteil, steht De Coureur für zwei belgische Leidenschaften: Bier und Radfahren. Bart Delvaux und Ine Van der Stock fanden die Idee dazu nicht am Schreibtisch, sondern auf Umwegen: Nach einem Radunfall in Chicago entdeckten sie amerikanische Brewpubs, kehrten zurück und eröffneten 2020 ihre Nachbarschaftsbrauerei – ausgerechnet in der Pandemie. Heute ist der Taproom ihr Wohnzimmer für die Nachbarschaft. Bart, früher in Software und Finance, braut, Ine, die „Hoptimistin“, prägt Gastfreundschaft und Erlebnis. Abgefüllt wird nicht: Die Biere kommen frisch vom Hahn, für daheim in Growlern oder Dosen auf Zeit. Die Namen fahren im Peloton mit: Colleke, die Cream Ale für den kleinen Hügel; Souplesse, ein weicher Blond-Tripel; Kuitenbijter, eine IPA mit Biss. Dazu kommen Monatsbiere von Gose bis Double Stout. De Coureur ist ein Ziel für Durstige – am besten per Fahrrad.

Belgien trifft Franken – Drei Biere für eine neue Freundschaft

Manchmal beginnt eine große Biergeschichte nicht am Sudkessel, sondern mit einem Missverständnis. Franken und Belgien werden gern gegeneinander gestellt: Hier Kellerbier, Rauchbier und Seidla, dort Klosterbiere, Sauerbiere und wilde Hefen. Markus Raupach wollte daraus keinen Wettstreit machen, sondern eine Einladung. Der Bamberger Bierexperte, Gründer der Deutschen BierAkademie und Ehrenritter der Belgischen Brauereien, brachte Brauer aus beiden Regionen zusammen — und aus Respekt wurde Freundschaft und der Grundstein zu einer Freundschaft der beiden wohl berühmtesten Bierregionen der Welt, Flandern und Franken.

Erlebt diese besondere Kooperation im Burggraben am Marktplatz … rund um's Bier Stand "M5"– Belgien trifft Franken !

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Im Herbst 2025 reiste eine fränkische Delegation nach Leuven. Dort trafen David Hertl, Christof und Joshua Pilarzyk von Grosch, Michael Hanreich vom Schlenkerla, Christian Höfner von Gampert sowie Luitgard und Norbert Winkelmann vom Brauhaus am Kreuzberg auf Hof ten Dormaal, Man & Brouw, De Coureur und Adept. Mit dabei waren auch Forchheims Tourismusdirektor Nico Cieslar und Biersommelière Melanie Streit. Es wurde verkostet, diskutiert, gelacht — und bald war klar: Das bleibt nicht bei Worten.

Im März 2026 kamen die Belgier nach Franken. Erste Station war Rödental, wo Christof und Joshua Pilarzyk im Braugasthof Grosch Gastlichkeit und moderne Brautechnik zusammenbringen. Grosch ist seit 1492 Braustätte. Dort entstand der erste Gemeinschaftssud: ein Kellerbier-Saison mit Thymian-Salbei-Malz — fränkische Trinkfreude mit belgischer Würze.

Am nächsten Tag ging es nach Weißenbrunn zu Gampert-Bräu. Christian Höfner steht dort für eine der ältesten Familienbrauereien Bayerns, gegründet 1514 und seit 1619 in Familienbesitz. Danach führte der Weg nach Bamberg ins Schlenkerla, wo Braumeister Michael Hanreich die Welt des Rauchbiers öffnete — eine Tradition, die dort bis heute lebendig ist und direkt vom Holzfass am stärksten erzählt.

Am dritten Tag wurde es handfest: In Schnaid trafen die Gäste auf David Hertl, den fränkischen Freigeist unter den Brauern, der seine Braumanufaktur einst in der Küche seiner Mutter begann und heute mit Kühlschiff, Holz und wilden Ideen spielt. Gemeinsam entstand ein Saison-Kellerbier mit spezieller Hefe und Holzlagerung. Nach einem Blitzbesuch bei Georg Rittmayer und seiner Brauerei in Hallerndorf empfingen empfingen Luitgard und Norbert Winkelmann die Runde auf dem Kreuzberg — Brauhaus, Bierkeller, Brennerei und fränkische Küche in einem.

Einige Wochen später kam ein noch dritter Sud dazu: ein Lambic-Kellerbier mit echtem Lambic von Hof ten Dormaal. Was nun im Nürnberger Burggraben ausgeschenkt wird, ist mehr als ein Experiment. Es sind drei flüssige Handschläge zwischen zwei großen Bierkulturen. Belgien bringt Offenheit, Hefe, Säure und Gewürz. Franken bringt Keller, Rauch, Malz und Bodenständigkeit. Zusammen entsteht etwas, das weder belgisch noch fränkisch allein sein will — sondern beides zugleich.

Wer diese Collaboration-Biere probiert, trinkt also nicht nur ein neues Bier. Er trinkt den Anfang einer Freundschaft, die zeigt: Die spannendsten Traditionen entstehen nicht, wenn man Mauern baut. Sondern wenn man gemeinsam Bier braut und trinkt.